Die Gründer

Peter-Michael Trapp
Wie er wurde, wer er heute ist

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Carola Riemann
Wie das Erbe ihrer Eltern sie zu ihrer Berufung führt

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Interview mit der Journalistin Frau Agnes Anna Jarosch

 

Weichenstellung

Eigentlich wäre Peter-Michael Trapp gern technischer Zeichner geworden. Doch es kommt anders. „Du hast Glück“ sagt der Vater zu ihm: „Ich kann dir bei uns im Stahlwerk eine Ausbildung zum Chemielaboranten organisieren“. Dabei schwärmt der Vater von guten Arbeitsbedingungen, attraktiver Bezahlung und einer rosigen Zukunft für Chemielaboranten. Der 14-jährige Sohn lässt sich von diesen Argumenten überzeugen folgt der väterlichen Empfehlung: Von der Volksschule geht es ohne Umwege ins Chemielabor. Voller Ehrfurcht blickt der Jugendliche zu 45 gestandenen Frauen und Männern in weißen Kitteln auf. Sie lehren ihn den Umgang mit Säuren, Laugen und Chemikalien.

Die Lieblings-Chemikalie aller Kollegen lernt er schnell kennen: Reinen Alkohol nutzt man großzügig, vor allem zur Herstellung wohlschmeckender Mixgetränke, die täglich verköstigt werden. Es ist die Zeit des Wirtschaftswunders und der Vollbeschäftigung. Man feiert das Leben - natürlich mit Alkohol! So vergehen die ersten Berufsjahre wie im Flug und das Leben scheint doch ganz gut zu Peter-Michael Trapp zu sein. So, wie der Vater es sich für seinen Sohn gewünscht hatte.

Bewährungsprobe

Doch dann stirbt der geliebte Vater. Mit seinem Tod beginnen für Peter-Michael Trapp große Umbrüche. Kurz zuvor hat er eine neue Laborantenstelle angetreten und muss sich in einem neuen Unternehmen beweisen. Zu Hause hält ihn trotz der innerlichen Trauer nichts mehr. Es folgen noch im selben Jahr der Auszug aus dem Elternhaus und eine überstürzte Hochzeit.

Auch am neuen Arbeitsplatz gehört der Alkoholkonsum zum Laboralltag dazu. Trapp macht mit und ertränkt seine stille Trauer und seine Probleme in den selbstkreierten Mixgetränken. Er geht eine 2. Ehe ein und wird Vater. Alkohol ist für ihn längst zum Standard geworden. „Ich nutzte ihn immer öfter, zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Passend bei Feiern oder am Wochenende mit Freunden, unpassend beim Sport, auf der Arbeit, im Straßenverkehr, ja sogar während der Geburt meiner Tochter, schließlich war die Geburt äußerst anstrengend für mich, 16 Stunden Kreissaal!“

Die Ehe ist problematisch, denn es gibt viele Differenzen, die am wankelmütigen Selbstbewusstsein des jungen Mannes nagen. Es kommt, wie es kommen muss: Seine Frau zieht einen Schlussstrich unter die Ehe. Jetzt ist er so richtig allein. Es folgen Tiefpunkte, auf die er nicht stolz ist: Beinahe-Unfälle mit dem Auto, eine Unzahl an Kurzfehltagen auf der Arbeit, längere Krankenhausaufenthalte wegen alkoholbedingter Symptome, körperlicher, seelischer und geistiger Verfall. Gedächtnislücken, depressive Zustände und körperliche Abmagerung.

Eigentlich wissen alle Bescheid, doch niemand reagiert. Man will sich nicht einmischen oder Schuld sein, dass er seinen Arbeitsplatz verliert. Trapp spielt Theater – und alle Anwesenden spielen brav mit, bis Trapp das Schauspiel beendet. Er spürt, dass er nicht mehr kann. Es muss wählen zwischen Leben und Tod.

Lebenswillen

Der Giftschrank im Labor steht ihm offen. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch leben würde, wenn es meine Tochter nicht gäbe.“ sagt er und hält inne. Das sind die entscheidenden Fragen, die jeder Alkoholabhängige sich irgendwann ehrlich beantworten muss: Will ich weiterleben oder sterben? Habe ich etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt? Oder trinke ich mich tot?

Trapp hat einen guten Grund zu kämpfen! Er fasst allen Mut zusammen, sucht Hilfe und bekommt einen Therapieplatz. Sechs Monate lang beschäftigt sich Trapp nur mit sich selbst, lernt mit seinen Emotionen umzugehen, Trauer zu bewältigen und Freude zu akzeptieren. Endlich durchlebt er den aufgestauten Schmerz, die Trauer und nimmt Abschied. Abschied von einem Menschen, der er nicht sein sein möchte. Im Nachhinein, eine wichtige, intensive und sogar sehr schöne Zeit in seinem Leben.

Klarsicht

30 Jahre hat sein Weg in die Alkoholsucht gedauert. Nach 6 Monaten wird er nun mit klarem Verstand und wachem, scharfen Blick für die Nuancen des Lebens aus der Therapie entlassen. In Selbsthilfegruppen trifft er genau die Unterstützer, die ihm im Beruf fehlten. Da sind Menschen, die wissen, wovon sie reden. Die hinschauen, statt wegzusehen. Die an ihn glauben. Und die ihn immer wieder erinnern: Du bist derjenige, der dir selbst am besten helfen kann.

Da ist zum Beispiel Arno Jansen, der betriebliche Sucht- und Sozialberatung anbietet und Sucht am Arbeitsplatz bekämpft. Er glaubt an Peter-Michael Trapp, unterstützt ihn, fördert ihn, gibt ihm Halt. „Ohne ihn gäbe es unsere Firma Effizienz nicht.“ sagt Trapp. „In harten Zeiten hat er mir geholfen, trocken zu bleiben. Bei ihm habe ich gespürt, dass er aus tiefer, reifer Erfahrung spricht. Keine Plattitüden, kein Sekundärwissen aus schlauen Büchern. Das fand ich beeindruckend! Genau so wollte auch ich Menschen helfen!“

Wenige Wochen nach der Therapie lernt Trapp durch glückliche Zufälle Carola, seine heutige Frau, Gefährtin und Geschäftspartnerin von EFFIZIENZ kennen. Da sind zwei Seelen, die zu einander gefunden haben. „Für uns beide ging es dann wie von selbst in ein neues Leben. Der Bauch gab bei allen Entscheidungen grünes Licht und ich hatte endlich gelernt, auf diese Gefühle zu hören und ihnen zu vertrauen.“

Reifeprüfung

An Carolas Seite erlebt er auch seine erste große Identitätskrise ohne Promille-Rausch: Obwohl Trapp die Therapie erfolgreich bestanden hat, wird im kurz danach betriebsbedingt gekündigt. Im Labor müssen zwei Mitarbeiter gehen, Trapp ist einer davon. Schockstarre mischt sich mit der Angst vor Existenzverlust und einem Rückfall. Wie leicht war es früher, bei Problemen einfach zur Flasche zu greifen und all diese Ängste zu betäuben!

Doch die Angst vor einem Rückfall ist größer als die Angst vor der Realität. Trapp hat gelernt zu kämpfen, zu fühlen und zu reden. Zum ersten Mal erlebt er, wie es ist, so eine schlimme Niederlage ohne Alkohol zu durchleben. Er bleibt trocken und betritt ein absolutes Neuland. Beständig, ausdauernd und beharrlich erobert er Stück für Stück seine promillefreie Existenz.

Berufung

Wer ihn heute kennenlernt, wird bestätigen: Auf angenehme Weise mischen sich in seinem Blick Demut mit Selbstbewusstsein, Weisheit mit Neugier und Tiefgang mit Leichtigkeit.

Dankbar bin ich, dass ich Carola kurz nach meiner Therapie kennen gelernt habe. Unsere beiden Geschichten haben zur Gründung unseres Unternehmens EFFIZIENZ geführt. Hier habe ich meinen Platz und meine Herzensaufgabe gefunden.“

Die Mission von EFFIZIENZ: Das Thema Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz aus der Hilflosigkeit und aus der Tabuzone holen. Peter-Michael Trapp und Carola Riemann zeigen Unternehmen, wie sie Missbrauch effektiv vorbeugen, verhindern und bekämpfen können.

Das ist nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich. Dabei geben wir Führungskräften die besten Methoden und Erfahrungen an die Hand, wie sie ihre Macht nutzen und systematisch und erfolgsversprechend vorgehen. Dafür waren all meine Tiefschläge gut. Die habe ich gebraucht, um meine Berufung zu finden und der Mensch zu werden, der ich heute bin“ sagt Trapp und lächelt zufrieden.

 

 

Alles andere als normal

Was war für Sie in Ihrer Kindheit normal? Für die meisten Kinder der westlichen Welt ist es normal, dass die Eltern sie abends mit einem Kuss oder einer Gute-Nacht-Geschichte ins Bett bringen, sie morgens liebevoll wecken, einen Tee kochen oder Schulbrote schmieren. „Diese Normalität habe ich nie kennengelernt“ sagt Carola Riemann ruhig. Von Verbitterung fehlt jede Spur. Schließlich weiß sie heute, dass ihre außergewöhnliche Kindheit sie auf ihre heutige Lebensaufgabe bestens vorbereitet hat.

Doch als Kind hätte ich mir für mich selbst und für meine drei jüngeren Geschwister so ein ganz normales Familienleben gewünscht“ sagt sie weiter. Stattdessen wird sie machtlose Zeugin, wie beide Eltern Schritt für Schritt im Alkoholismus versinken und die Familie verwahrlost.

Rollentausch

Als ältestes Kind übernimmt Carola die Verantwortung für ihre Geschwister und schlüpft so gut es geht in die Mutterrolle. Sie tröstet, spült Geschirr, macht das Mittagessen. Sie versucht, ihren Geschwistern all das zu geben, was sie sich selbst so sehnlich von ihren Alkoholiker-Eltern wünscht – aber niemals bekommt.

Lichtblicke

Hungrig nach Liebe zehrt das kleine Mädchen stattdessen von den Lichtblicken, die ihre Großmutter ihr beschert. „Ohne sie wäre ich untergegangen“ sagt sie heute. Die Großmama sorgt nicht nur für die Haushaltskasse, sondern auch für zärtliche und fürsorgliche Momente. „Ich erinnere mich daran, wie sie mir an einem heißen Sommertag ein lauwarmes, erfrischendes Bad vor dem Essen eingelassen hat. So bekam ich eine Idee davon, wie es sich anfühlt, umsorgt zu werden“.

Und dann ist da auch noch eine Lehrerin an der Schule, die Carola bestärkt, an sie glaubt, sich kümmert. Als einzige kommt sie sogar zu Carola nach Hause und konfrontiert die Eltern. Doch auch die Lehrerin hat keine Macht, etwas zu ändern. „Heute weiß ich, dass der Arbeitgeber meines Vaters die besten Chancen hätte, etwas zum Besseren zu bewegen.“ Doch der Arbeitgeber ignoriert das Alkoholproblem ihres Vaters.

Das Motto: „Nicht mein Problem“

Wie alle anderen: Die Nachbarn sehen weg. Wie schön wäre es gewesen, einen Onkel, eine Tante, den Pfarrer oder den Vorgesetzten des Vaters zum Verbündeten zu haben. „Das wären für mich echte Helden gewesen“ sagt Carola. „Doch leider gab es diese Helden damals nicht. Als Kind habe ich nicht verstanden, dass alle über meine Eltern gesprochen haben, nur keiner mit Ihnen. “

Abgeschoben

Carola ist 7 Jahre alt, als die leibliche Mutter sich vom Vater trennt. Der Vater bekommt das Sorgerecht, kann sich um seine Kinder jedoch nicht kümmern. Nach eineinhalb Jahren greift das Jugendamt ein und steckt die Kinder in ein Heim. 3 Jahre später heiratet der Vater wieder und holt die Kinder zurück in den Haushalt.

Die Stiefmutter ist zu Beginn eine großartige Frau. Carola ist begeistert von ihrem Bildungsniveau, ihrem Wortschatz und ihren Umgangsformen. Vor den Mahlzeiten hilft Carola ihr dabei, den Tisch liebevoll mit Platzdeckchen und poliertem Besteck einzudecken. Essen wird durch sie zum Ereignis. Die neue Frau unterstützt Carola sogar bei den Hausaufgaben und ist in gewisser Weise Vorbild.

Doch auch die Stiefmutter ist bereits krank. Während der Vater Quartalstrinker ist, ist die Stiefmutter Spiegeltrinkerin und medikamentenabhängig. Die Geschichte wiederholt sich: Beide versinken gemeinsam im Suff und ziehen die Familie zwangsläufig mit.

Schuldgefühle

Carola erkennt, dass all ihre Einsätze und Kämpfe während der gesamten Kinder- und Jugendjahre völlig sinnlos waren und sinnlos bleiben werden. „Ich musste erkennen, dass ich meine Eltern nicht retten konnte. Ich hatte die Wahl, mich selbst zu retten oder zugrunde zu gehen.“

Gegen den Willen des Vaters macht sie eine Ausbildung zur Kauffrau. Carola setzt sich durch, besteht die Ausbildung und zieht mit 18 aus. Allerdings bricht es ihr das Herz, ihre jüngeren Geschwister zurückzulassen. „Das war für mich das allerschlimmste.“ sagt sie heute.

Scheinfrieden

Carola steht auf eigenen Beinen, als zuerst ihr Vater und nur 6 Wochen später die Stiefmutter stirbt. Ein plötzliches Ende des familiären Dramas. Äußerlich scheint es so, als könnte nun endlich Frieden in Carolas Leben einkehren. Beruflich ist sie sehr engagiert und findet sich schon bald in einer leitenden Führungsposition wieder. „Das hatte mich das Leben gelehrt, erwachsen zu sein“ sagt sie. „Schon immer habe ich mich um andere gekümmert, Probleme gelöst und Verantwortung übernommen.“

Allerdings hatte Carola Riemann noch nie gelernt, sich um sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Ihr Körper erteilt ihr eine harte Lektion und reagiert mit einer schweren Autoimmun-Erkrankung.

Das ist typisch für Alkoholiker-Kinder“ berichtet sie heute reflektiert. „Der innere Antreiber und der innere Kritiker sind übermächtig. Der Anspruch an sich selbst ist so hoch, dass man sich selbst niemals gerecht werden kann.“

Sie nutzt die Krankheit und beginnt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Sie will verstehen, wie die Dinge zusammenhängen und was die Ursachen für ihre Erkrankung sind. „Diese schlimme Krankheit gab mir die Legitimation, mich selbst wichtig zu nehmen und mich endlich mal um mich selbst zu kümmern“ sagt sie heute.

Gegen den Rat der Ärzte verzichtet sie auf Operationen und Medikamente. Trotzdem wird sie gesund. Das beschäftigt sie so sehr, dass sie beschließt, eine Psychotherapeuten-Ausbildung zu machen. Sie ist überzeugt: „Wenn es dich aufräumt und gesunden lässt, kann es auch anderen Menschen helfen.“

Auf dem Weg zur Berufung

Für ihre schweren Kindheits- und Jugendtage ist Carola heute sehr dankbar. Sie haben ihr wichtige Lektionen mit auf den Weg gegeben die sie als Geschenke empfindet. „Erst durch die schwere Krankheit habe ich gewagt, mich auf den Weg zu machen. Ich habe begonnen, mich selbst zu verstehen. Ohne diese damals so schweren Erlebnisse gäbe es die Carola von heue nicht.“

Seelengefährte

Eins kommt zum anderen, als Carola Riemann auf Peter-Michael-Trapp trifft. Ihre Schwester gibt die Partneranzeige heimlich für sie auf. Er – gerade frisch aus der Entzugsklinik entlassen – möchte beim ersten Treffen eigentlich nicht über seine Suchtvergangenheit sprechen. Doch er kann Carola nichts vor machen. Seine Worte formen sich von selbst und offenbaren, wer er ist: Ein Mann, dem ein zweites Leben geschenkt wurde und der den innigsten Wunsch hat, trocken zu bleiben. Das Kennenlernen ist geprägt von einer wahrhaftigen Offenheit.

Anders als andere Frauen schreckt Carola Riemann vor dieser Ehrlichkeit nicht zurück, sondern empfindet tiefen Respekt. Da ist einer der sagt: „Das bin ich. Das ist mein Ist-Zustand.“ Sie spürt den tiefen Wunsch, Peter-Michael Trapp näher kennenzulernen.

Zwei Seelen finden zu einander, zwei Geschichten vereinen sich: Die beiden werden nicht nur ein Paar sondern gründen gemeinsam die Firma Effizienz.

Mit Tiefgang, Konsequenz und Leidenschaft holen die beiden das Thema „Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz“ aus der Tabuzone und setzen dort an, wo Veränderung möglich ist: Bei den Arbeitgebern.

Als kleines Mädchen hat Carola vergeblich auf Retter und Helden gewartet. Heute ist sie Mentor für all diejenigen, die ihr eigenes Heldenpotential entfalten und den Suchtkranken echte Alternativen zum Suff aufzeigen und die allgegenwärtige Ohnmacht beenden wollen.

Dank Carola Riemann gibt es heute bereits etliche dieser Helden, die Verantwortung übernehmen. Sie sagen: „Wenn ich sehe, auf wie viele Generationen sich das Suchtproblem auswirkt, muss ich handeln. Als Unternehmer, der Verantwortung für seine Mitarbeiter hat, kann ich nicht anders! Ich muss!“

Wer dieser „Carola von heute “ begegnet, trifft auf Tiefgang, Empathie und Verständnis. „Das kann ich.“ erläutert sie stolz und selbstbewusst: „Genau das ist meine Berufung. Das Erbe meiner Eltern! Dafür bin ich ihnen heute dankbar “