Ausbildung Betrieblicher Sozialarbeiter

Vorwort:

Ausbildung: „Betriebliche Sucht- und SozialberaterIn“

Der Grundgedanke zu diesem Ausbildungsprogramm sind unsere Erfahrungen im alltäglichen Umgang mit psychisch und psychosomatisch erkrankten Menschen am Arbeitsplatz.
Die Arbeitswelt verändert sich seit einigen Jahren rasant. Die Folge der schnellen Veränderung führt zu einer höheren Anspannung und Belastung im körperlichen, geistigen und seelischen Bereich der Mitarbeiter und Führungskräfte.
Einige Mitarbeiter können dieser Entwicklung nur eine Zeitlang standhalten. Danach folgen häufig Fehler bei der Arbeitsausführung, Fehlzeiten, Konflikte am Arbeitsplatz, der Griff zu Medikamenten oder Alkohol. Noch problematischer wird die Situation, wenn ein ganzes Team von den Arbeitsstörungen eines Mitarbeiters betroffen ist. In den meisten Fällen wird dann eine ambulante oder stationäre medizinische/ therapeutische Behandlung notwendig.
Mitarbeiter und Führungskräfte reagieren oft hilflos auf die Probleme und Schwierigkeiten eines psychisch kranken Kollegen. Oft fehlt ein betrieblicher Ansprechpartner, ein Bindeglied zwischen Betrieb und therapeutischem Angebot vor Ort, eine Unterstützung und Beratung für Führungskräfte, Mitarbeiter und Betroffene.
Professionell ausgebildete Betriebliche Sucht- und SozialberaterInnen schließen diese Lücke. Ein zusätzlicher Bonus ist die adäquate Umsetzung des SGB IX, § 84.

Ziele der Ausbildung

Die Teilnehmenden werden in der Lage sein

  • auffällige Verhaltensweisen und Arbeitsstörungen im Zusammenhang mit der Erkrankung zu erkennen, zu verstehen und zu erklären
  • die Betroffenen im betrieblichen Kontext zu begleiten
  • fachkundiger Ansprechpartner für Betroffene, betriebliche Funktionsträger sowie Kollegen und Arbeitsteams zu sein
  • persönliche Fähigkeiten zu entwickeln, die eine Kontaktaufnahme mit dem Betroffenen ermöglichen
  • erste Schritte zur Veränderung / Stabilisierung der Problematik einzuleiten
  • Betroffenen zügig, adäquate und professionelle Hilfe externer Berater anbieten zu können

Arbeitskonzepte

  • Die Arbeit mit den Teilnehmenden wird getragen durch Anregungen zur Selbsthilfe, Reflexion und Supervision durch „Lebendiges Lernen“ nach Klaus Daigl
  • Systemisches Einzel- und Gruppencoaching, nach Sonja Radatz (Lernende Organisation)
  • Vorgestellt werden auch hilfreiche Konzepte zum Eigencoaching, um selbständiges und lösungsorientiertes Arbeiten zu erlernen
  • Feedbackstrategien nach Professor Dr. Jörg Fengler für die Gruppe, sowie Anleitung zum Selbst-Feedback.(Selbstwahrnehmung, -beobachtung,
    -erforschung, -konfrontation, usw.)
  • Lösungsorientierte Kurzzeitberatung nach Steve de Schazer
  • Team- und Organisationsaufstellungen nach Professor Matthias Varga von Kibed (Über das Erkennen der Konfliktauslöser zur lösungsorientierten Handlung)

Durch die praktische Anwendung manifestieren sich bei den Teilnehmenden sofort neue Verhaltensweisen, so dass alte oder ähnliche Konfliktsituationen frühzeitig erkannt werden.
Die vielschichtigen Arbeitsansätze nehmen die Teilnehmenden mit in ihre eigene Beratertätigkeit.

Dauer der Ausbildung:

  • Die Ausbildung besteht aus vier Ausbildungsblöcken von je sechs Tagen über zwei Jahre. Sie ist gekoppelt an eine kontinuierliche Supervision sowie, bei Bedarf, einer Begleitung während der gesamten Ausbildungszeit durch die Trainer in den Betrieben und Dienststellen.
  • Dies unterstützt die Teilnehmer in der konkreten Fallarbeit, fördert die Entwicklung von Strategien für das Beraterverhalten und ergänzt den Aufbau des psychosozialen Netzwerkes im außerbetrieblichen Bereich.

Die Teilnehmenden können direkt nach dem ersten Ausbildungsblock mit ihrer Arbeit im Unternehmen beginnen.
Die Teilnehmenden erhalten ein Zertifikat.

 

Ausbildungsblock 1:
Informationen zum Thema „Suchterkrankungen“

Wirkungsweisen von Suchtmitteln und suchtähnliche Verhaltensweisen

  • Alkohol
  • Medikamente
  • illegale Drogen
  • Spielsucht (Internetsucht)
  • Ess-Störungen

Suchtprävention und Gesundheitsförderung

  • Verminderung gesundheitsgefährdender Arbeitsbedingungen
  • Sensibilisieren der Beschäftigten
  • Betriebliche Angebote zur persönlichen Salutogenese um gesundheitsriskantes Verhalten zu vermeiden
    • Das ‚Ampelmodell’ des risikoarmen, des riskanten, Gesundheit schädigenden und des abhängigen Konsums (Missbrauch vs. Sucht)
    • Angebote zur individuellen Konsumreduktion bei riskantem Alkohol- und Tabakkonsum, 10 Schritte-Programm nach Körkel, DHS Broschüre
    • Zielgruppenspezifische Prävention
  • Übergreifende Prävention und Gesundheitsförderung
  • Betriebliche Absprachen und Regelungen zur Einschränkung des Konsums von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen
  • Konzept der Punktnüchternheit
  • Verbot des Konsums illegaler Drogen
  • Drogenkontrollen (Drogenscreenings)

 Interventionsmöglichkeit

  • Verfahren bei Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und Gefährdung der Arbeitssicherheit durch Suchtmittel
  • Intervention bei Auffälligkeiten am Arbeitsplatz und Hilfeangebote
  • Das Interventionskonzept: Fürsorgegespräch, Klärungsgespräch und Stufenplan
  • Rechtliche Anforderungen an den Stufenplan
  • Besonderheiten des Beamtenrechts
  • Rolle der Führungskraft und Qualifizierung für die Suchtprävention und Intervention
  • Beratung und Suchthilfe im Betrieb
  • Beratung zur Vorbereitung von Interventionen
  • Beratung und Hilfe für Beschäftigte
  • Fallbegleitung und Fallabstimmung, Case Management
  • Beratung zum Themenkreis Prävention von gesundheitlichen Gefährdungen

 Auffälligkeiten am Arbeitsplatz

  • Suchtspezifische Merkmale

 Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen

  • Entstehung der Sucht nach Feuerlein
  • Krankheitsverlauf
  • Neue medizinische Erkenntnisse zur Entstehung der Sucht
  • Behandlungsziele und -möglichkeiten, Behandlungsnetz
  • Genesungsprozess
  • Schweigepflichtentbindung
  • Wiederaufnahme des Konsums/Rückfall

Co- Abhängigkeit
Geschlechterspezifische Aspekte

  • des Suchtgeschehens

Rahmenbedingungen der Tätigkeit

  • Konzept betrieblicher Suchtprävention und -hilfe
  • Organisatorischer Rahmen, Betriebs-/Dienstvereinbarung

Das Behandlungsnetz (Aufbau des psychosozialen Netzwerkes)

  • Selbsthilfegruppen
  • Beratungsstellen
  • Die Arbeit in Kliniken (Stationäre Behandlung)
  • Ambulante Behandlung
  • Rentenversicherungsträger
  • Betriebliche Sozialberichte (Muster)
  • Klinikhospitation: Konzept einer Sucht-Fachklinik, Gespräch mit Patienten und Therapeuten

 Aufgaben bis zum nächsten Ausbildungsblock:

  • Berichte zur Selbst-Reflektion, Fallbeschreibungen
  • Aufbau des externen Netzwerkes: Kontaktaufnahme zu Sucht-Fachkliniken, zu ambulanten Suchtberatungsstellen, Besuch einer Selbsthilfegruppe
  • Erstellung Info-Ordner (Zusammenstellung des Behandlungsnetzes in der Region, Adressenmaterial)

 

Ausbildungsblock 2:
Informationen zum Thema „Psychische Belastungen und Erkrankungen“

  • Zahlen-Daten-Fakten
  • Ursachen/Gründe für eine psychische Erkrankung
  • Erklärung der Krankheitsbilder
  • Psychosomatische Störungen
  • Neurosen
  • Depressionen
  • Psychische Probleme und Krisen
  • Angst-, Zwangsstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Psychosen (Film Schizophrenie)
  • Umgang mit Krisen und Suizidalität
  • Behandlung von psychischen Erkrankungen
  • Klinikbesuch: Konzept einer internistisch psychosomatischen Fachklinik, Gespräch mit Patienten und Therapeuten,
  • Begleitung und Unterstützung der Führungskräfte während der Klienten- und Nachsorgearbeit (Eingliederungsprozesse)
  • Praktische Trainings: Vorgehensweise nach Erstkontakt mit Klient

 Aufgaben bis zum nächsten Ausbildungsblock:

  • Berichte zur Selbst-Reflektion, Fallbeschreibungen
  • Ergänzung des externen Netzwerkes: Neurologe, Psychiater, Psychotherapeutenliste, Krankenkasse, Gesundheitsamt, Integrationsfachdienst, Psychosozialer Dienst, Regionale Krisen-Interventionsstellen, Schuldnerberatung
  • Intern: BEM – Beauftragte, Gesundheitsbeauftragte, Personalabteilung, Betriebsarzt, Schwerbehindertenvertreter, Jugendvertreter, Personal- Betriebsräte, Sicherheitsfachkräfte

 

Ausbildungsblock 3:
Informationen zum Thema „Kommunikation“

Rollenklärung

  • Aufgaben und offizieller Auftrag
  • Möglichkeiten und Grenzen in d. Rolle
  • Suchtprävention/-hilfe im Spannungsfeld betrieblicher Interessen
  • Selbst- und Fremdwahrnehmung

Kompetenzen zur Gesprächsführung

  • Grundgesetze der Kommunikation
  • Kommunikationsregeln
  • Kommunikation und Motivation
  • Aktives Zuhören: Rapport, Spiegeln, Lösungsorientiert lenken

 Information, Beratung und Begleitung von auffällig gewordenen Mitarbeitern

  • Erstkontakte
  • Beratungsgespräche
  • Begleitung von Stufengesprächen, therapeutischen Schritten und der Reintegration im betrieblichen Umfeld

Kompetenzen zur Beratung und Unterstützung des betrieblichen Umfeldes

  • Beratung von Führungskräften und Kollegen/-innen
  • Gespräche mit Interessenvertretungen, Fach- und Führungskräften

 Praktische Trainings

  • Kommunikation im betrieblichen Kontext mit Klienten (Betroffene Mitarbeiter)
  • Kommunikation mit externen Helfern (Ärzte, Psychologen, Therapeuten, Kliniken, Psychosozialer Dienst etc.)

 Eingliederungsmanagement BEM

Aufgaben bis zum nächsten Ausbildungsblock

  • Vorbereitung auf die Prüfung (Netzwerkordner mitbringen)
  • Berichte zur Selbst- Reflektion
  • Fallbeschreibungen, evtl. Ergänzung des externen Netzwerkes

 

Ausbildungsblock 4:
Informationen zum Thema: Aufklärung und vorbeugende Arbeit im Betrieb

Öffentlichkeitsarbeit zum Thema betriebliche Sucht- und Sozialarbeit

  • Prävention zur psychischen Gesundheitsförderung und Suchtprävention
  • Zielgruppenbezogene Aktionen
  • Kooperationspartner

 Angebote zur Primärprävention

  • Drink-Less Programme
  • Stressmanagement
  • Resilienz am Arbeitsplatz
  • Coachingprojekte
  • Burn-out
  • Mobbing am Arbeitsplatz

Rechtliche Aspekte

  • Klienten Protokoll
  • Reha-Anträge und Widerspruchsverfahren
  • Statistik für den Arbeitgeber, Evaluation
  • Grundrechte, BGB
  • Sozial-, arbeits- und dienstrechtliche Aspekte
  • Arbeitsrecht für den BSSB

Konzepte zum Eigencoaching (Lösungsorientiertes arbeiten)
Intervisionsarbeiten und Prüfungstag
Hilfestellung für die Zukunft

  • Wie geht es weiter? Hospitation – Supervision – Weiterbildung