Der Grundgedanke zu diesem Ausbildungsprogramm ist, dass Menschen sich an ihrem Arbeitsplatz verstanden und unterstützt fühlen.
Unsere Arbeit basiert auf langjährigen Erfahrungen im Umgang mit psychisch belasteten oder erkrankten Mitarbeitenden.
Die Arbeitswelt verändert sich schnell – und damit steigen Druck, Stress und Belastung für Mitarbeitende und Führungskräfte. Nicht jeder kann dauerhaft mithalten, Fehler, Konflikte oder Fehlzeiten sind oft die Folge. Diese Dynamik wirkt sich auf das körperliche, geistige und emotionale Wohlbefinden von Mitarbeitenden und Führungskräften aus.
Oftmals fühlen sich Führungskräfte und Kollegen überfordert und wissen nicht, wie sie Betroffene unterstützen können. Häufig fehlt ein zentraler Ansprechpartner im Betrieb.
Hier kommen Betriebliche Sozialberater ins Spiel:
Sie sind die Schnittstelle zwischen Unternehmen, Teams, Mitarbeitenden und internen sowie externen Unterstützungsangeboten. Sie erkennen früh, wo Handlungsbedarf besteht, und sorgen dafür, dass kleine Probleme nicht zu großen Herausforderungen werden. So fördern sie ein gesundes, motivierendes und leistungsfähiges Arbeitsumfeld.
Unsere praxisnahe Ausbildung vermittelt alle Kenntnisse und Fähigkeiten, die nötig sind, um diese verantwortungsvolle Rolle professionell auszufüllen – für mehr Sicherheit, Stabilität und Wohlbefinden am Arbeitsplatz.
Inhalte
Ausbildungsmodul 1
Theorie und Praxis bezüglich Suchtentwicklung und Umgang mit Abhängigkeit im Betrieb
Ziele:
- Empathie entwickeln
- Mögliche „Kopfbilder“ korrigieren
- Sucht als anerkannte psychische Erkrankung begreifen
- Sucht als systemisches Geschehen erfassen
- Beraterkompetenz entwickeln und verinnerlichen
- Besuch einer Suchtfachklinik, Gespräch mit Therapeuten und Patienten
Inhalte der Arbeitseinheiten 1 bis 11:
Informationen zum Thema „Suchterkrankungen“
Wirkungsweisen von Suchtmitteln und suchtähnliche Verhaltensweisen
- Alkohol
- Tabak
- Shisha rauchen
- Medikamente
- illegale Drogen
- Legal Highs
- Spielsucht
- Medienabhängigkeit
- Arbeitssucht
Entstehung und Gründe für Sucht
- Schritte in die Abhängigkeit
- Vom missbräuchlichen Konsum zur Sucht
- Wer konsumiert, erwartet eine Wirkung
- Belastungsgrenzen
- Was ist das Süchtige an der Sucht?
- Craving
- Entstehungsbedingungen der Sucht nach Feuerlein
Auffälligkeiten am Arbeitsplatz
- Suchtspezifische Merkmale
- Geschlechterspezifische Aspekte
Medizinische Aspekte von Abhängigkeitserkrankungen, Aufbau des Behandlungsnetzes
- Die fünf Grundformen des Alkoholismus
- Hinweise für eine Abhängigkeitserkrankung
- Krankheitsverlauf einer Abhängigkeitserkrankung
- Neue medizinische Erkenntnisse zur Entstehung der Sucht
- Behandlungsziele und -möglichkeiten
- Verlauf der Genesung bei Abhängigkeitserkrankungen
- Wiederaufnahme des Konsums/Rückfall
- Rückfall-Auslöser
- Faktoren, die eine dauerhafte Abstinenz begünstigen
Co- Abhängigkeit
- Definition von Co-Abhängigkeit
- Betriebliche Co-Abhängigkeit
- Gründe für Co-Abhängigkeit
- Erklärungsansatz nach Eric Berne
- Phasenmodell der Co-Abhängigkeit
Rahmenbedingungen der Tätigkeit
- Verfahren bei Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und Gefährdung der Arbeitssicherheit durch Suchtmittel
- Merkblatt: Gefährdung am Arbeitsplatz durch Medikamente
- Intervention bei Auffälligkeiten
- Intervention bei Auffälligkeiten am Arbeitsplatz und Hilfeangebote
- Arbeitsschritte für die Erstellung oder Modifizierung einer BV
Interventionsmöglichkeiten Stufenplan
- Fürsorgegespräch, Klärungsgespräch und Stufenplan
- Trichtermodell /Waage vorstellen
- Merkblatt: Auffälligkeiten am Arbeitsplatz durch Alkohol
- Welche Faktoren verursachen Auffälligkeiten?
- Stufenplan
Rechtliche Anforderungen an Interventionsleitfaden/Stufenplan
- Rechtliche Anforderungen im Einzelnen
- Der Schutz der Persönlichkeit
- Das Anwenden von Sanktionen, Auflagen
Suchtprävention und Gesundheitsförderung
- Verminderung gesundheitsgefährdender Arbeitsbedingungen Intervention bei Auffälligkeiten
- Sensibilisieren der Beschäftigten
- Betriebliche Angebote zur persönlichen Salutogenese, um gesundheitsriskantes Verhalten zu vermeiden
- Übergreifende Prävention und Gesundheitsförderung
- Betriebliche Regelungen zur Einschränkung des Konsums von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen
Rolle der Führungskräfte und die Begleitung durch BSB
- Die Schlüsselrolle der Führungskräfte
- Qualifizierung der Führungskräfte
Beratung im betrieblichen und externen Kontext durch BSB
- Beratung zur Vorbereitung von Interventionsgesprächen für Führungskräfte
- Beratung und Hilfe für Beschäftigte
- Fallbegleitung und Fallabstimmung
- Beratung und entlastende Gespräche zum Themenkreis Prävention von gesundheitlichen Gefährdungen
Ausbildungsmodul 2
Psychische Erkrankungen und unterstützende Vorgehensweisen am Arbeitsplatz, sowie einleitende Maßnahmen zur Hilfe durch externe professionelle Behandler
Ziele:
- Empathie entwickeln
- Mögliche „Kopfbilder“ korrigieren
- Krankheitsbilder kennenlernen
- Symptome zuordnen und psychische Erkrankungen einordnen
- Den passenden Experten im Netzwerk kontaktieren
- Mit dem Experten über die Symptome kommunizieren
- Beraterkompetenz entwickeln und verinnerlichen
Inhalte der Arbeitseinheiten 1 bis 18:
Informationen zum Thema psychische Erkrankungen und – Belastungen
Hausaufgaben und Fallbeschreibungen reflektieren, gegebenenfalls supervidieren.
- Zahlen-Daten-Fakten und Abgleich Führungskräfte Infos: Erfahren, was Führungskräften über psychische Erkrankungen vermittelt wird
- Empfänglichkeit für psychische Erkrankungen
- Psychosomatische Störungen- Psychoimmunologie
- Somatische Belastungsstörungen
- Neurosen – Psychosen
- Neurosenlehre
- Angststörungen- Zwangsstörungen
- Posttraumatische Belastungsstörungen
- Essstörungen
- Persönlichkeitsstörungen
- Borderline
- Depressionen, Burnout
- Suizid, Umgang mit Suizidgefahr verinnerlichen
- Film Schizophrenie: die fremde Realität von Psychotikern nachvollziehen können, Verständnis für „psychisch krank sein“ entwickeln.
- Begleitung und Unterstützung der Führungskräfte während der Klienten- und Nachsorgearbeit (Eingliederungsprozesse)
- Verstehen, was von ihnen als BSB zur Beratung und Unterstützung der Führungskräfte und zur Begleitung der Klienten erwartet wird.
- Praktische Trainings: Vorgehensweise nach Erstkontakt mit Klienten
Ausbildungsmodul 3
Kommunikation im betrieblichen und externen Kontext für die Rolle der betrieblichen Sozialberatung. Praxisorientierte Gesprächstrainings.
Ziele:
Während dieser Ausbildung wird – über das praxisnahe Training – das Begreifen und Verstehen vertieft und es werden Gesprächsstrategien erlernt, um sich in der Rolle als Beraterin und Berater absolut handlungssicher zu fühlen.
Wir legen Wert darauf, dass es Gesprächsprinzipien und einen Rahmen für die Gesprächsführung gibt, an denen sich die Übenden orientieren, dass aber die Führung des Gesprächs eine höchst individuelle Angelegenheit ist.
Inhalte der Arbeitseinheiten 1 bis 6:
Informationen zum Thema „Kommunikation“
Hausaufgaben und Fallbeschreibungen reflektieren, gegebenenfalls supervidieren.
- Aufgaben und offizieller Auftrag
- Möglichkeiten und Grenzen in der Rolle
- Begleitung und Unterstützung der Führungskräfte während der Klienten- und Nachsorgearbeit (Eingliederungsprozesse)
- Eingliederungsmanagement BEM, Info über BEM, Verbindung zur Arbeit des BSB
Kompetenzen zur Gesprächsführung
- Grundgesetze der Kommunikation
- Selbst- und Fremdwahrnehmung
- Kommunikationsregeln
- Kommunikation und Motivation
- Aktives Zuhören: Rapport, Spiegeln, lösungsorientiert lenken
- Umgang mit Aggression
- Gesprächsprinzipien für Klientengespräche/Gesprächsrahmen
Ausbildungseinheit: Information, Beratung und Begleitung von auffällig gewordenen Mitarbeitern
- Vorgehensweise bei Erstkontakt
- Sicherheit innerhalb der Beratungsgespräche erlernen
- Begleitung der Klienten bei der Wahrnehmung externer Hilfsangebote und der
- Reintegration im betrieblichen Umfeld
Ausbildungseinheit: Kompetenzen zur Beratung und Unterstützung des betrieblichen Umfeldes
- Die Beratung von Führungskräften und Kollegen*innen
- Gespräche mit Interessenvertretungen, Fach- und Führungskräften
- Vorbereitung der Gespräche innerhalb der Interventionsstufen für die jeweils beteiligten Personen (Führungskräfte, Personalleitung, Person des Vertrauens)
Ausbildungseinheit: Rollensicherheit
- Die Kommunikation im betrieblichen Kontext mit betroffenen Mitarbeitern (innerhalb unterschiedlicher Erkrankungen und Lebenskrisen)
- Die Kommunikation mit externen Helfern (Ärzte, Psychologen, Therapeuten, Kliniken, Psychosozialer Dienst etc.)
- Festigen der Rolle
Am Ende der Veranstaltungen haben die Teilnehmenden erkannt,
- dass sie als betriebliche Sozialberater Symptomsammler sind und keine Diagnosen stellen
- dass die Kenntnis der Erkrankungen, Belastungen und deren Symptome dazu dient, sich in die Lage der Klienten zu versetzen und es erleichtert, passende Fragen zu stellen
- dass sie die Symptome kennen müssen, um die passende Hilfe vorschlagen zu können
- was Co-Abhängigkeit ausmacht und welche Dynamik sie entwickelt
- welche Dynamik die systematisierte Vorgehensweise innerhalb der BV/DV hat
- wie die BV/DV angewendet wird und welche Rolle sie als BSB dabei haben
(Beachtung der Persönlichkeitsrechte und des Arbeitsrechts innerhalb des Stufenplans der BV/DV)
Ausbildungsmodul 4
Ziele
Aufklärung und vorbeugende Arbeit im Betrieb
Öffentlichkeitsarbeit zum Thema betriebliche Sucht- und Sozialarbeit
Konzepte zum Eigencoaching (Lösungsorientiertes Arbeiten)
Intervisionsarbeiten und Prüfungstag, Hilfestellung für die Zukunft
Inhalte der Arbeitseinheiten 1 bis 8:
Informationen zum Thema: Aufklärung und vorbeugende Arbeit im Betrieb
Hausaufgaben und Fallbeschreibungen reflektieren, gegebenenfalls supervidieren.
Öffentlichkeitsarbeit zum Thema betriebliche Sucht- und Sozialarbeit
- Prävention zur psychischen Gesundheitsförderung und Suchtprävention
- Zielgruppenbezogene Aktionen
- Kooperationspartner
Angebote zur Primärprävention
- Drink-Less Programme
- Stressmanagement
- Resilienz am Arbeitsplatz
- Coaching Projekte
- Burn-out
- Mobbing am Arbeitsplatz
Rechtliche Aspekte
- Klienten Protokoll
- Reha-Anträge und Widerspruchsverfahren
- Statistik für den Arbeitgeber, Evaluation
- Grundrechte, BGB
- Sozial-, arbeits- und dienstrechtliche Aspekte
- Arbeitsrecht für den BSB
Offizielle Bestellung für die Betriebliche Sozialberatung
Konzepte zum Eigencoaching (Lösungsorientiertes Arbeiten)
Intervisionsarbeiten und Prüfungstag
Hilfestellung für die Zukunft
- Wie geht es weiter? Hospitation – Supervision – Weiterbildung
(Änderungen vorbehalten)
Innerhalb der Gesamtausbildung eigenständig zu erledigenden Aufgaben:
- Berichte zur Selbst-Reflektion, Fallbeschreibungen
- Aufbau des externen Netzwerkes: Kontaktaufnahme zu Suchtfachkliniken, zu ambulanten Suchtberatungsstellen, Besuch einer Selbsthilfegruppe
- Kontaktaufnahme zu einer internistisch psychosomatischen Fachklinik
- Aufbau des externen Netzwerkes: Neurologe, Psychiater, Psychotherapeutenliste, Krankenkasse, Gesundheitsamt, Integrationsfachdienst, Psychosozialer Dienst, Regionale Krisen-Interventionsstellen, Schuldnerberatung, regionale Pflegedienststellen, Frauenhaus, alle Selbsthilfegruppen
- Intern: BEM – Beauftragte, Gesundheitsbeauftragte, Personalabteilung, Betriebsarzt, Schwerbehindertenvertreter, Jugendvertreter, Personal- Betriebsräte, Sicherheitsfachkräfte, Gleichstellungsbeauftragte, Migrationsbeauftragte
- Die Inhalte, die zum Wissenspolster gehören, sollen autodidaktisch erlernt und/oder vertieft werden. Das externe Netzwerk von professionellen Helfern soll innerhalb der Ausbildung ebenfalls eigenständig aufgebaut werden.
Diese Aufgaben gehören mit zum Ausbildungsziel und erfordern zu Beginn der Ausbildung einen erhöhten Zeitaufwand.
Die Teilnehmer werden aufgefordert, bei auftretenden Problemen, sich an ihre Dozenten zu wenden. Diese begleiten die Teilnehmer auch außerhalb der Lernzeiten. Sie unterstützen die Teilnehmer in der konkreten Fallarbeit, gegebenenfalls vor Ort in den Unternehmen oder Dienststellen. (Nach Schweigepflicht-Entbindung)
Dadurch können die Teilnehmenden direkt nach dem ersten Modul mit ihrer Arbeit in ihren Unternehmen oder ihren Dienststellen beginnen. Bis zum Ausbildungsende, in der akuten Fallarbeit, immer in Zusammenarbeit mit den Trainern.
Wir erwarten von den Teilnehmenden die volle Anwesenheit aller Ausbildungsstunden. Von Montag bis zum Ende des Samstags.
Dauer der Ausbildung:
- Die Ausbildung besteht aus vier Ausbildungsmodulen von je sechs Tagen im Abstand von ca. 5 Monaten. Sie ist bei Bedarf, gekoppelt an eine Supervision sowie, bei Bedarf, einer Begleitung während der gesamten Ausbildungszeit durch die Trainer in den Betrieben und Dienststellen nach Schweigepflichtentbindung.
- Dies unterstützt die Teilnehmer in der konkreten Fallarbeit, fördert die Entwicklung von Strategien für das Beraterverhalten und ergänzt den Aufbau des psychosozialen Netzwerkes im außerbetrieblichen Bereich.
Die Gruppen werden von 2 Referenten*innen ausgebildet.
Änderungen vorbehalten.
Die Teilnehmenden erhalten ein Zertifikat.

