Ute Werthmann

Name: Ute Werthmann   Ute Werthmann
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Warum ich für Effizienz arbeite:

Ich habe die zweijährige Ausbildung zur betrieblichen Sucht- und Sozialberaterin bei Carola Riemann und Peter Trapp, Firma Effizienz absolviert. In dieser Ausbildung sind Empathie und ein positives Menschenbild Grundvoraussetzung für diese sinnvolle Arbeit am Menschen. Da ich selbst diese Einstellung lebe, und persönliche Erfahrungen zum Thema Sucht habe, möchte ich dazu beitragen, die Arbeitswelt zu verbessern.


Meine Geschichte

Ich komme aus einer Familie, in der Alkohol immer eine Rolle spielte. Damals war es mir nicht bewusst. Es war an der Tagesordnung, dass mein Vater zum Abendbrot sein Bier trank. Bei feierlichen Anlässen wurde ebenfalls gerne getrunken, dem Besuch wurde immer Alkohol angeboten. Auch war es normal, beim Wocheneinkauf, zwei Kästen Bier mit nach Hause zu nehmen. Meine Eltern waren beide berufstätig. Sie arbeiteten wechselseitig im Schichtbetrieb, so dass sie sich in der Woche immer nur flüchtig bei der Arbeit sahen. Es wurde dann kurz und knapp besprochen, was noch zu Hause erledigt werden musste

Da ich das älteste von sieben Geschwistern bin, musste ich bereits im Alter von fünf Jahren im Haushalt mithelfen und auf meine Geschwister aufpassen. Dadurch hatte ich bereits sehr früh die Rolle einer Erwachsenen eingenommen. Die Folge war, dass ich keine normale Kindheit hatte und diese auch nicht ausleben konnte. Freiräume oder Hobbys kannte ich auch während meiner Schulzeit nicht. So lernte ich sehr früh Verantwortung für andere zu übernehmen, was typisch für Co-Abhängige ist.

Mein Vater schrieb mir vor, wie ich zu denken und zu funktionieren hatte, bei Wiederworten hagelte es Sanktionen. Ich wurde sehr konservativ und nach außen gerichtet erzogen. Was die Nachbarn, Lehrer, Arbeitskollegen sagten, war wichtiger als meine eigene Meinung. Beide Elternteile waren sehr mit sich und ihren Problemen beschäftigt. Der Alkoholkonsum meines Vaters hatte meine Mutter im Griff. Sie kontrollierte alles und jeden, stets darauf bedacht, den Schein nach außen zu wahren.


Meine Kindheitserfahrungen nahm ich in mein Berufsleben mit

Der große Zusammenbruch kam, als mein Vater starb und gleichzeitig meine langjährige Beziehung auseinanderging. Ich konnte nichts mehr essen, hatte immer Schmerzen und dachte „nur bloß jetzt nicht schwach werden“. Ich wurde zunehmend dünner. Selbst meine Führungskraft sah mich in diesem Zustand, sprach mich aber nicht auf meine äußerliche Veränderung an und Sie fragte auch nicht wie es mir geht. Ich brach dann zusammen und fiel für meinen Arbeitgeber lange Zeit aus. Ich hätte mir gewünscht, dass meine Führungskraft mich zur Seite genommen und auf meine Verhaltensveränderungen eingegangen wäre. Dies war leider nicht der Fall. Alle haben weggeschaut, sowohl Kolleginnen als auch Vorgesetzte.


Diagnose: Erschöpfungssyndrom, Burn-out

Nach einer Reha-Maßnahme und Therapie begann ich mit meiner Biografie Arbeit. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich mir bereits die Frage gestellt, wieso passiert mir das?

Ich begab mich in eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Familien mit Alkoholproblemen und erkannte die Zusammenhänge. So erarbeitete ich mir meine eigene Genesung.


Ich habe gut verstanden, nicht mehr für andere zu denken, zu handeln und zu fühlen.

Rückblickend erkenne ich heute, dass meine Eltern traumatisierende Kindheitserlebnisse hatten. Beide erlebten als Kinder den Krieg. Ihre Traumatisierungen und seelischen Verletzungen haben sie unverarbeitet an uns Kinder weitergegeben. Nicht, dass sie das so wollten, sie kannten es nicht besser. Es galt eben, die Zähne zusammenzubeißen, durchzuhalten und weiterzumachen.


Mut zur Veränderung und immer einen Tag nach den anderen leben.

Heute bin ich dankbar, dass ich diese Eltern haben durfte. Denn erst durch ihre Geschichte habe ich mich und mein Verhalten verstanden. Ebenso was diese Krankheit mit den Betroffenen und den Menschen in ihrem Umfeld macht. Ich bin von der Co-Abhängigkeit und den daraus schädlichen Auswirkungen auf mein Leben genesen. Heute kann ich gut für mich sorgen und mich liebevoll abgrenzen.


Hilfe zur Selbsthilfe

Jede/r Mitarbeiter/in ist wertvoll und leistet seinen Beitrag im Beruf. Um so wichtiger ist es dann, dass man ihnen bei psychischen Belastungen und/oder Erkrankungen auch schnelle Hilfe zukommen lässt. Niemand ist davor gefeit in eine Lebenskrise zu geraten, es kann jeden treffen. Da ich aus eigener Erfahrung weiß, dass die betriebliche Sozialberatung eine enorme Unterstützung für Führungskräfte und Betroffene ist, habe ich es zu meiner Aufgabe gemacht weitere Aufklärungsarbeit zu leisten. Es macht mich stolz, Führungskräften, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, durch meine jetzige Tätigkeit als Referentin bei effizienz, eine Handlungssicherheit zu vermitteln, damit sie sich selbst und anderen in einer Lebenskrise helfen können.